18. Dezember 2016, Große Kirche Aplerbeck

J. S. Bach: "Magnificat" und "Weihnachtsoratorium"

Mitwirkende

Konzertchor Aplerbeck

Aplerbecker Kammerorchester

Annelie Richwin-Krause, Sopran

Viola Haumann, Alt

Daniel Kasel, Tenor

Gerrit Miehlke, Bass

Leitung: Norbert Staschik

Fotos

Rezension

Funkeln und Frohlocken in Aplerbeck

Der Konzertchor Aplerbeck präsentiert Werke von J. S. Bach vom Feinsten

 

Noch bevor der erste Ton erklingt gibt das Publikum Applaus. „Jetzt wird alles gut“, ein Mitglied des Konzertchors Aplerbeck begrüßt die Gäste. Nachdem das Klatschen verstummt setzten die Musiker an und ein mächtiger runder Klang wälzt sich in die Große Kirche. Bereits die ersten Takte  Johann Sebastian Bachs „Magnificat“, dem Lobgesang von Maria bei ihrer Begegnung mit ihrer Base Elisabeth, erklingen voller Prunk und Festlichkeit. Kaskadenartiger Streicherklang sprudelt unter den Fanfaren der Blechbläser. Der Chor singt „Magnificat anima mea Dominum“ – „meine Seele erhebet den Herrn“. Ein wahres Fest. Unter der Leitung von Norbert Staschik treten Bachs filigrane Themen hervor und verschwinden wieder. Sie sind bunte Bänder die einander umschlingen und umspielen, aber nie festhalten.

 

Der Konzertchor singt facettenreich, intonationssicher und dynamisch. Ob in der ruhigen, getragenen Choralmotette „Vom Himmel hoch“ oder in „Sicut locutus est“ und im prunkvoll funkelnden Schlusschor „Gloria Patri“. Die einzelnen Stimmen sind trotz der Fülle des Gesamtwerks gut artikuliert und treten an den passenden Stellen aus dem Gesamtklang hervor. Gerrit Miehlke singt sicher und klar den würdevollen Bass – Gott und dessen Herrlichkeit preisend. Viola Haumann (Alt) und Daniel Kasel (Tenor) besingen im  anschließenden Duett inmitten vieler Seufzermotive äußerst harmonisch seine Barmherzigkeit. Zum Jubel über Gottes Gnade gesellt sich auch seine Mächtigkeit: Die Gewaltigen werden vom Thron gestürzt, die Niedrigen erhöht.  Zwischendrin schwebt Annelie Richwin- Krauses Sopran leichtfüßig und lobend in die Lüfte.

 

Ebenso festlich, wie das Ende des „Magnificats“, ist der Anfang des „Weihnachtsoratoriums“, aus dem Auszüge der Teile I, II, IV und VI gesungen werden. Unter Staschiks raschem Taktstock ertönt Feierlichkeit von Neuem und funkelnde Klänge ergießen sich in das Kirchenschiff. Die Aufführung des Weihnachtsoratoriums hat eine lange Tradition in Aplerbeck und das ist zu spüren: Chor wie Orchester sind routiniert. Doch auch hier fordert Staschik seine Musiker. Er formt den Klang, führt die Phrasierung und holt alles an Musik heraus. Ob langsamer, getragener Choral oder kurzes Rezitativ.

 

Neben sanften Seufzermotiven in den Streichern ertönen gebrochene Dreiklänge  in den Trompeten, die die Feierlichkeit erneut untermauern. Der Evangelist (Kasel) berichtet den biblischen Text mit klarer, schlichter, schnörkelloser Stimme. Miehlkes Arien sind wieder  voluminös, glühend und leidenschaftlich voller Inbrunst. Der Chor explodiert in einem fulminantem Feuerwerk. Über der langsam absteigenden Oboe, die zugegeben nicht ihren besten Tag hatte,  mischen sich die polyphonen Stimmen – jede einzelne mit einer Aussage.  Wie Balsam dagegen erscheint der ruhige Choral für die erregte Seele. Die glatten Wogen mit den Durchgangsnoten liefern dem Zuhörer einen Moment der objektiveren Betrachtung auf das Geschehen. Danach erstrahlt noch einmal Bachs Werk in all seinem Prunk und seiner Herrlichkeit –  und mit ihm nicht nur der Konzertchor und das Kammerorchester Aplerbeck. Die ganze Kirche steht auf und applaudiert: Jetzt ist alles gut.

 

von Sophie Beha